Ein Schullandheim

geht finanziell auf dem Zahnfleisch

Das Wolfsburger Schullandheim seit Anfang März

ohne Einnahmen oder Entschädigungen

 

So hatten sich Alli und Tina Ballhausen ihren Abschied

vom Schullandheim der Stadt Wolfsburg, ihr letztes Jahr hier oben

auf der Sankt Andreasberger Jordanshöhe, nun wirklich nicht vorgestellt.

 

Seit dem 13. März diesen Jahres steht das Haus leer – Corona sei Dank.

Und das, obwohl man für das ganze Jahr 2020 ausgebucht war.

Das Personal befindet sich längst natürlich in Kurzarbeit,

nur Alli und Tina Ballhausen halten noch die Stellung und warten sehnsüchtig

auf das was noch kommen kann, und das sind zunächst einmal:

die Begleichungen der Stornorechnungen durch das Kultusministerium.

 

Mag sein, dass die klare Luft und das herrliche Landschaftsambiente des Oberharzes

sie alle fasziniert, vielleicht auch zu künstlerischer Tätigkeit inspiriert,

ganz sicher war es aber die großartige Atmosphäre im Schullandheim der Stadt Wolfsburg

bei Alli und Tina Ballhausen, die auf so viele so oft und immer wieder anziehend wirkte.

Ob Samba-Rhythmen, Taido, die friedliche Art dem Angreifer zu begegnen,

Tanzen, was die Trommeln sagen, Afrika nach Berliner Art, Lebenshilfe mit MI A MA BA,

ein Schützenfest nach niederrheinischer Art, gemeinsame Schullandheim-Aufenthalte

von Gymnasiasten und geistig Behinderten, Raketenstart in den Himmel

über der Jordanshöhe, Blasmusik-Seminare, die das Schullandheim

zu einem Haus der Musik werden lassen, oder einfach nur

erlebnisreiche Schullandheim-Aufenthalte, auch Familien-Ferien, bei den Ballhausens 

waren sie alle herzlich willkommen und seit vielen Jahren und immer wieder.

Auch brasilianische Tage hat das Haus erlebt.

 

Völlig verlassen liegt das Schullandheim der Stadt Wolfsburg

nun auf der Sankt Andreasberger Jordanshöhe

Diesen pädagogischen Herausforderungen sind die Ballhausens in den letzten

fast 30 Jahren stets voll und ganz gerecht geworden, auch wenn in den Köpfen

vieler Schülerinnen und Schüler, genau wie in denen zahlreicher Lehrkräfte 

Schullandheime nicht mehr den Stellenwert früherer Jahre haben.

 

Im Wolfsburger Schullandheim hatte man deshalb schnell umgedacht und das Haus

mit seinen 78 Betten und der eigenen Sporthalle auch für

Familien, Vereine, Interessengemeinschaften, ja auch „Einzeltäter“ geöffnet.

 

Von 1963, der Eröffnung also, führte zunächst die Familie Schmidt,

dann Helmut und Anne Necke dieses Haus unter der Regie der Stadt Wolfsburg.

Nahtlos, aber auch ganz anders, wurde das Haus im Jahre 1994

von Alli und Tina Ballhausen weitergeführt, erstmals mittels Pachtvertrag

und damit vor dem Kauf oder einer sonstigen Aufgabe seitens der Stadt Wolfsburg gerettet.

 

Wenn man bedenkt, wie viele ehemalige junge Schullandheim-Besucher später

als Erwachsene zurück nach Sankt Andreasberg kamen, war dieser gewagte Schritt

des Ehepaars Ballhausen auch ein großartiger Beitrag zur

Fremdenverkehrs-Werbung der Bergstadt Sankt Andreasberg.

 

Bekanntlich läuft der Pachtvertrag der Ballhausens im April nächsten Jahres ab

und soll nach heutigem Kenntnisstand auch nicht weiter verlängert werden.

Vielleicht ist auch diese Tatsache ein Grund dafür, dass die (Noch)-Pächter

in dieser schlimmer Situation so allein gelassen und immer wieder zwecks irgendwelcher

Entschädigungen vertröstet oder sogar an der Nase herumgeführt werden.

Denn, dass das Kultusministerium für entstandene Stornokosten aufkommen werde,

war sogar vom Niedersächsischen Kultusminister und darüber hinaus

von Abgeordneten des Landtags in den Medien verkündet worden.

 

Doch alle Versuche der Ballhausens, die Einlösung dieser Versprechen zu erreichen,

sind bisher fehl geschlagen. Das Schullandheim der Stadt Wolfsburg ist sozusagen

gänzlich allein gelassen worden. Auch Gespräche mit dem Träger,

mit der Stadt Wolfsburg, hat es für die Ballhausens nicht gegeben. 

 

Mindestens 280.000 Euro fehlen dem Schullandheim in diesem Jahr.

Eine Summe, so stellt Alli Ballhausen fest, die in diesem letzten Jahr nötig gewesen wäre, 

um alle Unkosten zu meistern und für die die Begleichung der Stornorechnungen

durch das Kultusministerium auch nur ein Tropfen auf den heißen Stein gewesen wäre.

Dennoch man hatte darauf setzen können, weil eben die Aussagen

zwischendurch recht positiv waren.

Nun aber heißt es klipp und klar: „Es gibt nichts!“

Für Alli und Tina Ballhausen heißt das nicht mehr und nicht weniger, 

als dass man nicht weiß wie es weiter gehen kann.

 

Bild und Ton: Karl-Heinz Siebeneicher

Peter Spei

harzfuchs@web.de